I. Kapitel: Einführung

 

1. Der Begriff "Anthropologie"

Der Begriff "Anthropologie" setzt sich aus dem griechischen Wort für Mensch ("anthropos") und Lehre oder Rede ("logos") zusammen. Im nun folgenden Studium geht es um die Lehre vom Menschen.

Während sich die "wissenschaftliche" Anthropologie als Lehre vom Menschen mit dessen psycho-physischen Organismus sowie dessen natur- und geisteswissenschaftlichen Entwicklung beschäftigt, sprechen wir in der Anthropologie als Disziplin der Dogmatik von dem Verhältnis Gott - Mensch. Wir fragen nach der Offenbarung Gottes über die Natur des Menschen und nach dem Standort des Menschen Gott gegenüber.

Nun versuchen wir,als Menschen über den Menschen nachzudenken - wir denken über uns nach. Gerade im Studium dieses Gebietes ist es besonders notwendig und wichtig, eine göttlich inspirierte Bibel zu haben - und sich völlig auf sie zu verlassen. Wir wollen nicht philosophische Gedankenschlösser bauen, sondern Gottes Offenbarung über uns Menschen studieren. Nur so finden wir Antwort auf unsere Fragen.

 

2. Die Notwendigkeit der Anthropologie

Die Frage "Was ist der Mensch?" hat den Menschen zu allen Zeiten beschäftigt. Die Wissenschaft hat versucht, darauf eine Antwort zu geben. Sie hat den Menschen untersucht, ihn in seine materiellen Bestandteile zerlegt, aber sie konnte das Geheimnis des Menschen nicht finden. Sie versuchte, die Entwicklung des Menschen zurückzuverfolgen, aber sie konnte seinen Anfang nicht finden. Seit Beginn der Weltgeschichte versuchen Philosophen und Denker, Antwort auf die Fragen des Menschen zu geben:

Es geht um die immer aktuellen Fragen - um die zwei wichtigsten Fragen des Menschen: die Frage nach dem Sinn des Lebens und die Frage nach der Zukunft.

Doch alle Versuche scheiterten; selbst den klügsten und begabtesten Denkern der Geschichte blieb nichts anderes übrig, als zu raten. Ihre "Hypothesen", wie die Evolutionstheorie oder grundlegende Lehren der Psychologie, werden zu oft als die gesicherten Erkenntnisse moderner "Wissen"schaft weitergegeben. Dabei sind diese Hypothesen eben nur hypothetisch, und dies bedeutet nach dem Fremdwörterduden: "nur angenommen, auf einer unbewiesenen Vermutung beruhend, fraglich, zweifelhaft"!

Wie fest gegründet dürfen wir sein! Die Bibel, Gottes Wort, gibt uns klare Antworten auf alle diese Fragen.

Jes 40,6-8 "Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach:Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich."

Die Antworten, die die Bibel auf unsere Fragen gibt, stehen in direktem Widerspruch zur heutigen Zeit. Sie ist anthropozentrisch geprägt, d.h. der Mensch steht im Mittelpunkt allen Überlegens und Tuns und hat so in allen Bereichen des Lebens Gott durch das "Selbst" ersetzt. Der Mensch - ich selbst - mit meinen Bedürfnissen werde zum Maßstab, an dem Recht und Unrecht, Richtig und Falsch, Gut und Schlecht gemessen werden. Der Mensch steht im Mittelpunkt, obwohl er vergänglich ist:

Hiob 14,1-2 "Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht."
Ps 8,4-9 "Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht."
Ps 144,3-4 "Herr, was ist der Mensch, daß du dich seiner annimmst, und des Menschen Kind, daß du ihn so beachtest? Ist doch der Mensch gleich wie nichts; seine Zeit fährt dahin wie ein Schatten."
Jak 4,14 "und wißt nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet."

Der natürliche, nicht wiedergeborene Mensch kennt seine Stellung Gott gegenüber nicht. Er kennt Gott nicht. Er kann Gott nicht erkennen, denn es fehlt ihm die Ehrfurcht vor Gott.

Spr 1,7a "Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis."
1.Kor 2,14 "Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden."

Der Mensch hat sich verirrt - lebt fern von Gott und dessen Heilsangebot.

Wir müssen nicht erst in die Zeitung oder das Leben unserer Nachbarn schauen, um seine Not kennenzulernen. Die Bibel gibt uns einen zutreffenden Einblick:

Prediger 2,1-11+15-23

3,1-11+16-22

5,9-17

6,7+12

7,15-18

12,7

Studieren wir das Buch Prediger, in dem der reiche und mächtige Salomo Rückschau über sein Leben hält, so stellen wir fest: ein von Gott losgelöstes Leben ist sinnlos! Nur ein Leben in Verbindung mit Gott ist "sinnvoll"!

Besonders junge Menschen fragen nach dem Sinn des Lebens. Die Religion des natürlichen Menschen, losgelöst von Gott, kann keinen Sinn geben. Sie führt in Lebenspessimismus (Stichwort: no future!), Resignation oder Revolution. Das Vakuum der nicht beantworteten Sinnfrage wird mit einem "Ersatz-Sinn" gefüllt, der kurzfristig befriedigt, am Ende aber den Menschen nur noch "leerer" zurückläßt. Genau hier setzen auch die Lehren von "New Age" an: sie wecken falsche Hoffnungen, indem sie scheinbar Antworten auf die drängenden Fragen des Lebens geben.

 

ANREGUNG:

Betrachten Sie unter diesem Aspekt die Problematik

 

Diesem verirrten Menschen tritt ein suchender Gott gegenüber. Gott erschuf den Menschen zur Gemeinschaft mit Ihm (1.Mose 1,26). Er kann Sein Geschöpf nicht lassen. Es ist Seine Liebe, die Ihn ewig zum Menschen hin treibt. Gott offenbart sich als ein liebender, als ein suchender Gott:

  • 1.Mose 3,9
  • 2.Mose 3,7-8
  • Jer 3,1+12-14+22-23 und 7,22-28
  • Hes 18,23+31-32
  • Mt 9,36
  • Lk 15,4-7 und 19,10+41-42
  • Offb 22,17

Der wahre Sinn des Menschseins kann nur erkannt werden, wenn Gott erkannt wird!

Joh 17,3 "Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen."

Gott hat den Menschen zum Leben geschaffen. Ein Mensch ohne Gotteserkenntnis kann nicht leben, nur vegetieren.

Eph 2,1 "Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden,"

 

ILLUSTRATION:

Wertvolles technisches Gerät wird zu einem bestimmten Zweck hergestellt. Beim Verkauf dieses Gerätes wird eine Gebrauchsanweisung mitgeliefert. Bei Zweckentfremdung oder unsachgemäßer Behandlung ist mit der Beschädigung und Zerstörung zu rechnen.

So auch beim Menschen! Gott hat ihn zu einem bestimmten Zweck geschaffen (Gemeinschaft mit Gott) und ihm eine Gebrauchsanweisung mitgegeben (Sein Wort, die Bibel). Doch setzt er sich meist über die göttliche Gebrauchsanweisung hinweg. Humanwissenschaftler (wie z.B.: Pädagogen, Soziologen, Psychologen) experimentieren heute mit dem Menschen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß.

Darum ist noch eine Warnung angebracht: Keine Vermischung verschiedener "Gebrauchsanweisungen" (der göttlichen und sogenannten "wissenschaftlichen")!

 

ANREGUNGEN:

2.Tim 4,2 "Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre."
2.Tim 3,17 "daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt."