3. Die materielle Natur des Menschen

Gott schuf uns Menschen in einer Einheit aus Geist und Leib, aus immaterieller und materieller Natur. Die Trennung dieser beiden hat den Tod zur Folge (Jak 2,26). Nachdem wir die göttliche Offenbarung über die immaterielle Natur des Menschen betrachtet haben, wenden wir uns nun der materiellen Natur zu. Dabei unterscheiden wir die Begriffe "Leib" und "Fleisch".

 

a) Leib (Körper)

Im Laufe der Zeit veränderte sich der Begriff "Leib". Heute sprechen wir von dem "Körper", wenn wir den ganzen menschlichen Organismus meinen. "Leib" wird für den "Unterleib", "Bauch" oder allgemein den "Rumpf" verwandt.

So z.B.:

Oberkörper

Körperpflege

Körperbau

Körperschaft

Unterleib

Leibesübung

Leibarzt

Leibrente

Der griechische Begriff für "Leib" ("soma") würde heute am besten mit "Körper" übersetzt. Deshalb sollten wir in unserer Verkündigung "Körper" statt "Leib" gebrauchen.

 

(1) der Leib des Ungläubigen

Die ursprüngliche Herrlichkeit des Leibes, wie er aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen war, ist unter der Herrschaft des Todes verdunkelt worden. Obwohl der Leib nie Subjekt des Sündigens ist, sondern die Seele, wird er als "Leib der Sünde" (Röm 6,6) bezeichnet. Dies bedeutet nicht, daß der Leib in seiner Stofflichkeit Ursache der Sünde wäre, wohl aber dient der Leib mit seinen Gliedern der Sünde.

Der Leib ist seit dem Sündenfall unter dem Fluch von Krankheit und Tod. Mit der Geburt eines Kindes beginnt sein Sterben. Vom Gottlosen heißt es:

Hiob 18,13 "Die Glieder seines Leibes werden verzehrt;..."

Doch auch der Ungläubige wird eines Tages leiblich auferstehen:

Dan 12,2 "Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande."

 

(2) der Leib des Gläubigen

Der Leib des Gläubigen ist, wie auch der Leib des Ungläubigen, gezeichnet von Krankheit und Tod (Röm 8,10):

Jak 5,14 "Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, daß sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn."
2.Kor 4,16 "Darum werden wir auch nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert."

Jedoch dürfen wir auf die Erlösung unseres Leibes warten:

Röm 8,23 "Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes."

Unser jetziger Leib ist das Samenkorn für den zukünftigen Leib.

1.Kor 15,44 "Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib." (vgl. auch Vers 53)

Der Körper eines Gläubigen unterscheidet sich nicht organisch von dem eines Ungläubigen. Bei der Wiedergeburt findet keine organische Veränderung statt. Hier auf Erden unterscheidet sich der Körper eines Gläubigen jedoch hinsichtlich der Funktion bedeutend von demjenigen eines Ungläubigen.

1.Kor 6,19 "Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört?"

Der Körper des Gläubigen ist der Tempel des Heiligen Geistes!

 

Im Tempel findet der Gottesdienst statt. Zum Gottesdienst aber gehören:

- die Verherrlichung Gottes in der Anbetung (Lobpreis):

1.Kor 6,20 "Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe."

- das Opfer spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Gottesdienst:

Röm 12,1 "Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst."

Auch einzelne Glieder unseres Körpers haben mit dem Opfer zu tun:

Hebr 13,14-15 "So laßt uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergeßt nicht; denn solche Opfer gefallen Gott."

- auch der Dienst gehört zum Gottesdienst. Dabei gilt es zunächst zu beachten, daß wir noch den "Leib der Sünde" haben, darum heißt es:

Röm 6,12-13 "So laßt nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam. Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin, als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit."
Röm 6,19 "Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden."

Die einzelnen Glieder unseres Körpers können einen vielfältigen Dienst zur Ehre Gottes verrichten. Hier einige Beispiele:

Augen

Ohren

Mund

Lippen

Zunge

Hand

Knie

Füße

Ps 25,15

Jes 50,4

Röm 10,10

Ps 51,17

Jak 3

Hebr 12,12

Hebr 12,12

Jes 52,7

vgl. das Lied: "Nimm mein Leben, Jesu, Dir übergeb' ich's für und für..."

Viele Gläubige (vor allem junge Menschen) kommen nicht zu einem geistlichen Siegesleben, weil sie ihren Leib nicht dem Herrn geweiht haben. Dazu fehlen in unseren Gemeinden oftmals die Vorbilder auf diesem Gebiet.

Besonders dringlich ist dieses Gebiet, da in unserer Gesellschaft völlig anders gedacht und gehandelt wird:

So leben wir in einer Umgebung, die dem körperlichen Trieb einen hohen Stellenwert beimißt, gleichzeitig aber die christliche Ethik bekämpft.

Welch enorme Herausforderung an uns! Mit unserem Leibesleben hängen drei große Gebiete unseres Alltags zusammen:

- Essen und Trinken

Wieviel Gebundenheit, Sucht und Sünde finden wir auch in unseren Gemeinden auf diesem Gebiet. Bereits die erste Versuchung in der Geschichte der Menschheit hatte mit "Essen" zu tun! (1.Mose 3)

1.Kor 10,31 "Ob ihr nun eßt oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre."

 

- Kleidung

Die Bibel zeigt, daß besonders für das weibliche Geschlecht die Gefahr besteht, Äußerlichkeiten zu wichtig zu nehmen. Man pflegt und schmückt den äußeren Menschen und läßt den inneren verwahrlosen.

1.Tim 2,9-10 "Desgleichen, daß die Frauen in schicklicher Kleidung sich schmücken mit Anstand und Zucht, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarem Gewand, sondern, wie sich's ziemt für Frauen, die ihre Frömmigkeit bekunden wollen, mit guten Werken." (vgl auch 1.Petr 3,3-6)

Leider beobachten wir vor allem bei der männlichen Jugend eine Neigung, in das andere Extrem zu verfallen. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild erregt jedoch Anstoß.

1.Kor 10,32-33 "Erregt keinen Anstoß, weder bei den Juden noch bei den Griechen noch bei der Gemeinde Gottes, so wie auch ich jedermann in allem zu Gefallen lebe und suche nicht, was mir, sondern was vielen dient, damit sie gerettet werden."

 

- Sexualität

Die meistgenannte Sünde der Bibel liegt auf diesem Gebiet. Der gefallene Mensch pervertierte das göttliche Geschenk der Sexualität. Wieviel Schmerzen und Leid entspringen dem falschen Gebrauch dieser göttlichen Gabe!

(Hier müßte nun die Sexualethik folgen.)

Wir wollen uns nochmals der Aufforderung Gottes bewußt werden:

1.Kor 6,20 "Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe."

 

 

ZUSAMMENFASSUNG:

"Leib" oder auch "Körper" bezeichnet den ganzen menschlichen Organismus. Durch den Leib tritt die Seele in Kontakt mit unserer Umwelt. Er empfängt Eindrücke und handelt im Auftrag der Seele. Daher tragen wir im Blick auf unseren Körper eine besondere Verantwortung.

 

b) Fleisch

Meinte "Leib" den ganzen menschlichen Organismus, so ist "Fleisch" die beseelte Substanz, aus der der Leib gebildet wird. Spricht die Bibel im Hinblick auf den einzelnen Menschen von "Fleisch" so kann sie zweierlei damit ausdrücken:

 

(1) die materielle Naturbasis

Zunächst meint die Bibel mit dem Begriff "Fleisch" unser biologisches Fleisch. Die "Erde vom Acker", aus der Gott der Herr den Leib Adams schuf, enthält tatsächlich die gleichen chemischen Elemente und Mineralien wie das Fleisch des Menschen. Nun ist Fleisch nicht nur irgendeine Substanz, sondern lebendige. Nach der Verbindung zwischen Lebensodem und Materie entstand die beseelte Substanz: Fleisch.

An seinem Fleisch wird dem Menschen immer wieder deutlich, daß er Krankheit und Tod unterworfen ist. Daher finden wir den Begriff "Fleisch" häufig in einem Zusammenhang, der die Vergänglichkeit des Menschen betont:

Jes 40,6-7 "Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie die Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk!"

 

(2) der ganze gefallene Mensch

Den ganzen gefallenen Menschen bezeichnet die Bibel mit "Fleisch". "Fleisch" meint hierbei alles, was sich von der Sinnenseite her gegen den Geist Gottes auflehnt.

Röm 7,18 "Denn ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen, kann ich nicht."

Fleisch steht hier im Gegensatz zu Geist. Das Denken, Wollen und Handeln des Menschen wird vom Irdischen und der Sünde bestimmt.

Gal 5,17 "Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, so daß ihr nicht tut, was ihr wollt."

Dieser Kampf wird vom Fleisch unterschiedlich geführt. Zum einen ist das Fleisch sündhaft und bricht das Gesetz Gottes; zum anderen versucht es aus eigener Kraft, Gott gehorsam zu sein. Beim letzteren ersetzen wir den Heiligen Geist durch uns selbst.

Gal 3,3 "Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr's denn nun im Fleisch vollenden?"

Diesen Kampf, diese Versuchung kennt jeder Gläubige!

Röm 7, 25b "So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde."

Der Weg zur Freiheit aus der Versklavung des Fleisches führt nur über Tod und Auferstehung - mit Christus gestorben und auferstanden.

Röm 6,10-11 "Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er Gott. So auch ihr, haltet dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus."
Röm 8,3 "Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch,"
Gal 5,24-25 "Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln."

Dadurch, daß wir mit Christus mitgestorben, aber auch mitauferstanden sind, dürfen wir Sieger über das Fleisch sein!

 

4. Die Einheit des Menschen

Bei allem Studium der einzelnen "Bestandteile" und Funktionen der Natur des Menschen dürfen wir die Einheit dieser Elemente nicht aus dem Blick verlieren. Es gehörte zu Gottes vollkommener Schöpfung, den Menschen als Individuum zu schaffen.

Diese Person des Menschen ist charakterisiert durch ein dreifaches Bewußtsein:

Der Mensch wurde in erster Linie für Gott geschaffen. Sollte er aber mit Gott verkehren, so mußte sein Geist fähig sein, mit dem göttlichen Geist Gemeinschaft zu pflegen. Durch den Geist hat der Mensch die Fähigkeit, Gott zu erkennen und Göttliches aufzunehmen. - Gottesbewußtsein!

Die Seele, die Geist und Körper verbindet, gab dem Menschen die Individualität, das Gepräge seines Wesen. Die Seele, die die Fähigkeit des Denkens, Fühlens und Wollens hat, wurde der Mittelpunkt und Sitz des menschlichen Wesens. Durch die Seele hat der Mensch die Fähigkeit, sich seiner selbst bewußt zu werden. - Ichbewußtsein!

Der Mensch wurde in eine stoffliche Umgebung gesetzt. So mußte sein Leib zum Verkehr mit dem Stofflichen befähigt sein. Durch die fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Empfinden), derer Träger der Leib ist, erkennt der Mensch die Welt. - Weltbewußtsein!

Luther hat diese Funktionen mit der Stiftshütte verglichen:

"In derselben Figur ist ein Christenmensch abgemalt. Sein Geist ist Sanctum Sanctuorum, das Allerheiligste, Gottes Wohnung, im finstern Glauben ohne Licht; denn er glaubt , was er nicht sieht noch fühlt noch begreift. Seine Seele ist Sanctum, das Heilige; da sind sieben Lichter; das ist allerlei Verstand, Unterschied, Wissen und Erkenntnis der leiblichen, sichtbaren Dinge. Sein Körper ist Atrium, der Vorhof; der ist jedermann offenbar, daß man sehen kann, was er tut und wie er lebt."

 

a) Einheit von Leib und Seele

Die Einheit von Leib und Seele ist nicht nur daran zu erkennen, daß sie aufeinander angewiesen sind, sondern auch daran, daß sie starken Einfluß aufeinander nehmen können.

 

(1) Funktionseinheit Leib <=>Seele

Der Leib ist das Einfallstor, die Importstelle, aller Informationen, die die Seele erreichen. Diese Funktion des Leibes wird durch die fünf Sinne ausgeübt.

Der Vorgang des sinnlichen Erkennens verläuft folgendermaßen:

äußerer Reiz: physikalischer Vorgang

(z.B.: Lichtstrahl trifft das Auge)

Empfindung: physiologische Fortleitung über das Nervensystem

(z.B.: Reiz wird über Sehnerv ins Gehirn geleitet)

Wahrnehmung: psychologischer Vorgang (!)

(der ankommende Reiz wird aus anderen Reizen herausgehoben und lokalisiert)

Der Übergang zwischen Leib und Seele findet im Schritt von der Empfindung zur Wahrnehmung statt. Ein vorher kontrollierbarer mechanisch-physikalischer Vorgang wird zur seelischen Wahrnehmung!

Auch wenn der äußere Reiz weggefallen ist, kann das Wahrgenommene wieder in Erinnerung gerufen werden:

Vorstellung: inneres Bild ohne zeitgleiche äußere Vorlage

Durch ein willkürliches Zusammensetzen verschiedener Vorstellungen können Phantasiebilder entstehen.

Doch nicht nur als Importstation spielt der Leib eine Rolle für die Seele. Er gibt gleichzeitig der Seele die Ausdrucksmöglichkeit, die Exportstelle. Sie muß sich, um sich nach außen kundzutun, des Leibes bedienen. Andererseits benötigt auch der Leib die Lenkung und Steuerung der Seele.

Der Leib ist mit seinen diversen Organen und Gliedern bestens geeignet, der Seele Ausdrucks-möglichkeiten zu verleihen.

Der Leib ist keinesfalls das Gefängnis der Seele, sondern ihr Instrument! Beide sind voneinander abhängig. Die Seele benötigt den Leib, er hingegen benötigt die Seele zur Koordination und Steuerung.

So üben beide eine wechselseitige Einflußnahme (Leib - Seele) aus. Wir sprechen in diesem Zusammenhang vom Psycho-physischen Parallelismus. Seele und Leib sind so eng miteinander verbunden, daß der Zustand des einen den anderen zwangsläufig mitbetrifft.

 

(2) Einwirkungen Leib <=> Seele

Für unser persönliches Leben, aber auch besonders für die Seelsorge, ist die Kenntnis dieser Zusammenhänge wichtig. Wir wollen nur ein paar Beispiele nennen:

Hormonelle Umstellungen (z.B.: Pupertät, Monatszyklus, Schwangerschaft, Klimakterium) führen oftmals zu Depressionen. Halten sie über einen längeren Zeitraum an, kann es zu einer Lebenskrise kommen, die auch das gesamte Umfeld der Person (Familie!) betrifft! Chronische Schmerzen können wie auch Gehirntumore die Persönlichkeit eines Menschen grundlegend verändern (z.B.: können bisher ruhige Typen aggressiv reagieren, offene Menschen werden verschlossen und verbittert). Herzfehler führen unter Umständen zu akuten Angstzuständen. Lungenkrankheiten können sich auf die Seele belebend auswirken. Zum Teil lösen sie Tatendrang und Vergnügungssucht aus.

Bei aller Kenntnis und Berücksichtigung dieser Faktoren stellen sie keinen "Freibrief" aus. Der Mensch ist nicht zwangsläufig ein Sklave seines Körpers. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, unterschiedlich auf die Einflußnahme seines Leibes zu reagieren:

- Herrschaft des Leibes

Der Leib regiert über die Seele. Jedem körperlichen Einfluß wird nachgegeben. Personen, die so leben, erkennt man an ihrem kleinen Spannungsbogen oder auch an einem undisziplinierten Lebensstil, da sie jeder Schwankung ihres Organismus ausgeliefert sind.

- Herrschaft der Seele

Die Seele regiert über den Leib. Bis zu einem bestimmten Grad ist eine Beherrschung möglich, z.B. wenn wir "die Zähne zusammenbeißen". Doch Vorsicht: der Bogen darf nicht überspannt werden.

- Herrschaft des Geistes

Die Herrschaft des lebendig gewordenen Geistes ist nur dem Wiedergeborenen möglich! Bei ihm kann der Geist über Seele und Leib regieren.

Ps 73,26 "Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil."

 

(3) Auswirkungen Seele <=> Leib

Unter den psychosomatischen Störungen (Krankheiten) versteht man die negative Einflußnahme der Seele auf den Leib. Daß das Erleben der Seele sich auf den Leib auswirkt, ist uns allen bekannt. Aufregung und Ängste, Freude und Schreck verursachen Blässe oder Hautrötung, Herzklopfen, usw.

Ps 51,10 "Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast."

Der heutigen Medizin ist dieser Zusammenhang längst klar. Sorgen, Schuld und Stress gehören zu den häufigen Auslösern heftiger Störungen, die in ihrem Erscheinungsbild mit anderen Krankheiten identisch sein können (z.B. Verdauungsstörungen oder auch Magengeschwüre bei Stress). Heilung ist nur möglich, wenn der Patient in seiner Gesamtheit behandelt wird.

Das Wort Gottes weist uns auf diesen Zusammenhang zwischen Seele und Leib hin:

Ps 32,3-4 "Denn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird."
Ps 51,10 "Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast."

Heilung kann hier nicht durch den Einsatz moderner Medizin geschehen. Auch der Gang zum Psychiater bleibt weithin erfolglos. Allein die Verbindung des Geistes mit Jesus Christus, dem Leben, kann Genesung (seelisch und dann auch leiblich) bringen.

Ps 62,9 "Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht."

Die Seele benötigt für ihre Last (Schuld, Sorge, Verzweiflung) ein Ventil. Da im natürlichen Menschen der Geist tot ist, bleibt als einziger Ausweg das Ventil "Leib". Besitzt der Geist jedoch eine Verbindung zu Gott, so gibt es für die Seele einen passenden Ausweg. Eine Entlastung der Seele und damit des Leibes ist möglich geworden!

Mt 11,28 "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."

 

ANREGUNGEN:

Der Neurotiker spricht von einer "Überanstrengung" und verwechselt damit Ursache und Wirkung!

Sünde/-er:
  • ohne Furcht vor Gott
  • ohne Zutrauen zu Gott
  • aus dem Willen zum "ICH" leben

(aus dem Augsburger Bekenntnis 1530)

Neurotiker:
  • vor nichts in der Welt Respekt
  • zu nichts in der Welt Zutrauen
  • kreist immerfort um sich selbst

 

b) Einheit von Geist und Seele

Bei der Betrachtung der funktionalen Bestandteile der immateriellen Natur des Menschen haben wir schon gesehen, wie eng die Verbindung zwischen Geist und Seele ist. Es kann uns daher nicht verwundern, daß Geist und Seele sich gegenseitig stark beeinflussen können.

Was der Leib für die Seele ist, das ist ihrerseits die Seele für den Geist. Durch sie wirkt die Außenwelt auf den Geist (Import), und durch sie kann der Geist sich nach außen auswirken (Export).

 

(1) Einwirkungen Seele <=> Geist

Als "Importeur" für den Geist ist die Seele das Eingangstor in den Geist. Sie ist sein "Auge", sein "Ohr", sein "Mund". Die Bücher, die wir lesen, die Worte, die wir hören, und die Bilder, die wir sehen, füllen nicht nur unsere Seele, sondern dringen in unseren Geist. Wie enorm wichtig ist daher die Auswahl dessen, was wir einlassen! Unsere Seele ist immer aktiv, auch wenn wir uns dessen nicht bewußt sind.

Ps 119,11 "Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündige."
2.Kor 7,1 "Weil wir nun solche Verheißungen haben, meine Lieben, so laßt uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes."

Beim wiedergeborenen Menschen reagiert der Geist als Knecht des Heiligen Geistes. Er kann nun nötigenfalls in Gegensatz zur Seele treten. Die Seele eines Menschen ist und bleibt labil; der Geist hingegen ist durch die Innewohnung des Heiligen Geistes fest.

1.Kor 15,58 "Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wißt, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn."
Hebr 13,9 "Laßt euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speise-gebote,von denen keinen Nutzen haben, die damit umgehen."

Diese Festigkeit des Geistes ist dann notwendig, wenn die Seele den Willen des Fleisches (des "alten Menschen") weiterleitet. Es kommt zum Kampf zwischen Geist und Seele - zwischen Geist und "Fleisch"!

Gal 5,17 "Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, so daß ihr nicht tut, was ihr wollt."

 

(2) Auswirkungen Geist <=> Seele

Im Geist liegen die Wurzeln unserer Persönlichkeit. Seine Anstöße werden von der Seele aufgenommen und umgesetzt. Sie bietet dem Geist die Ausdrucksmöglichkeit.

Spr 15,13 "Ein fröhliches Herz macht ein fröhliches Angesicht; aber wenn das Herz bekümmert ist, entfällt der Mut."
Mt 12,34-35 "Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz."

Wenn der Geist durch den Geist Gottes lebendig geworden und mit dem Heiligen Geist erfüllt ist, so wird die Seele zu einer großartigen Ausdrucksmöglichkeit dieses neuen Lebens.

Ein Geist jedoch, dem das göttliche Leben fehlt, wirkt schlußendlich zerrüttend auf die Seele. Sie bleibt ständig unbefriedigt und verfällt in Apathie oder Begehrlichkeit.

Letztendlich sind die Glieder entweder Werkzeug des "toten" Geistes - oder aber des vom Heiligen Geist regierten lebendig gewordenen Geistes!

Röm 6,19 "Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden."

Mit der Wiedergeburt beginnt die gemeinsame Arbeit des Heiligen Geistes mit unserem Geist. Das neue Leben des Geistes geht durch die Seele bis in den Leib und macht alles neu.

2.Kor 5,17 "Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."

Nicht mehr meine Seele mit ihrem "Selbst" steht im Mittelpunkt, - sondern Christus.

Gal 2,20 "Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben."

Die Folge ist, daß unsere Identifikation mit Christus zunimmt. Sie wirkt sich aus auf unsere Seele., und schließlich wird sie auch an unserem Leib und seinem Handeln sichtbar.

Gal 4,19 "Meine lieben Kinder, die ich abermals unter Wehen gebäre, bis Christus in euch Gestalt gewinne!"
2.Kor 3,18 "Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur anderen von dem Herrn, der der Geist ist."

 

c) Seelsorge contra Psychotherapie

In dem Maße, wie die biblische Lehre und Verkündigung durch Irrlehren oder auch liberale Gedankengänge verwässert wurden, verlor die "christliche Seelsorge" ihre Vollmacht. So verwundert es nicht, daß gerade in unserem Jahrhundert die Psychotherapie entwickelt und vom modernen Menschen als "Alternativ-Seelsorge" angenommen wurde.

Da die "Seelsorge", oder was immer von der biblischen Verkündigung übrigblieb, ihre Grundlage - das irrtumsfreie Wort Gottes - verlor, mußte sie neue Wege gehen. Es blieb nur ein Ausweg, nämlich eine Verbindung zwischen "Seelsorge" und psychoanalytischer und -therapeutischer Arbeitsweise. Ein absolutes Verkündigen der Heilsnotwendigkeit für den Ungläubigen schied ja schon vom Toleranzgedanken her aus. Wie anders aber sollte man Ungläubige betreuen können? Letztlich blieb nur die Flucht in die Psychotherapie.

Übernahm man anfangs nur einzelne Gedanken und Instrumente, so stellen wir heute fest, daß in den sozialen Einrichtungen (Suchthilfe, Kliniken, Gruppenbetreuung) kaum intensive seelsorgerliche Betreuung stattfindet, sondern psychotherapeutische Behandlungsmethoden eingesetzt werden. Leider hat dieser Trend auch vor konfessionellen Einrichtungen nicht haltgemacht!

Es drängen sich daher Fragen auf wie z.B. "Ist die Psychologie ein hilfreiches Mittel zur Diagnosestellung des Seelsorgers?" oder "Wann hört die psychoanalytische Befragung auf - und wo setzt die Seelsorge ein?"

Es soll hier keine umfassende Antwort gegeben werden (siehe das Fach "Seelsorge"), lediglich einiges Grundsätzliche.

Die Frage stellt sich nach dem Ausgangspunkt und dem Ziel seelsorgerlicher Beratung oder psychotherapeutischer Behandlung. Seit Jahrhunderten prägt die idealistische Erziehung unsere Schulen und Familien. Ihren Ursprung hat sie in der griechischen und ihre Blütezeit in der deutschen Philosophie (z.B.: Kant, Goethe). Ihr Ausgangspunkt heißt: der Mensch ist gut! Ihr Ziel, ihr Idealbild wurde vom Humanismus vorgegeben: "Mens sana in corpore sano!" (= gesunder Geist in gesundem Leib). Es geht um den vollkommenen Menschen.

Achtung! - Wir dürfen uns nicht täuschen lassen! Auch das Ideal eines "christlichen Menschen" darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Weg, um dieses Ziel zu erreichen, keineswegs biblisch ist. Mit "Wer immer strebend sich bemüht" gab Goethe in "Faust" die Losung aus. Alles geschieht aus eigener Kraft! Jeder Mensch bestimmt und handelt in eigener Machtvollkommenheit. Dabei kommt es vor, daß der eine ein Ziel ablehnt, daß sich der andere gesetzt hat.

Auf dieser idealistischen Lebensbahn scheitern immer wieder Menschen. Diese "gescheiterten Existenzen" wenden sich nun an den Seelsorger oder Psychotherapeuten. Hier im Ausgangspunkt berühren sich Seelsorge und Psychotherapie - aber hier endet zugleich ihre Gemeinsamkeit!

 

(1) die biblische Seelsorge

Die biblische Seelsorge geht von der Grundlage aus, daß die Bibel Gottes Offenbarung über den Menschen enthält. Nur sie kann folglich die Lösung für seine Probleme aufzeigen.

Nach der Bibel ist der Mensch verantwortlich vor Gott. Die Sünde ist die Ursache aller Probleme (hierbei muß es sich nicht notwendigerweise um die persönliche Sünde handeln, s. Joh 9,2-3). Jesus Christus klärte am Kreuz von Golgatha die Sündenfrage. Die Probleme des Menschen können gelöst werden - aber nur in Jesus Christus! (Was den Leib angeht, findet die Klärung erst bei der Auferstehung statt!)

Ziel der biblischen Seelsorge ist nicht eine Rückkehr und Fortsetzung des Lebens auf der (verlassenen) idealistischen Lebensbahn. Es geht nicht um irdisches Wohl sondern um ewiges Heil. Der Ratsuchende soll ein völlig anderes Ziel bekommen - Jesus Christus. Seelsorge versteht sich immer als Wegweiser zur Person unseres Herrn hin. Nicht eigene Anstrengung zählt - sondern völlige Erneuerung durch Jesus Christus. Der Weg dorthin führt nur über Sündenerkenntnis und der befreienden Erfahrung der Vergebung. Die Kraft zum neuen Leben ist der Heilige Geist, der im Gläubigen wohnt.

 

(2) die psychotherapeutische Behandlung

Sie geht von einem der Bibel entgegengesetzten Menschenbild aus. Sie vertritt eine atheistische-evolutionistische Anthropologie. Daher kommt schon der "Vater der modernen Psychoanalyse", Freud, zum Ergebnis, daß der Mensch für sein Verhalten primär nicht verantwortlich sei. Geformt durch äußere Einflüsse, vor allem während der Kindheit, ist er ein Produkt seiner Umwelt.

Daher ist die Psychoanalyse, die diese frühkindlichen Entwicklungen und alle tiefgreifenden Erfahrungen aufdecken soll, Grundstein psychotherapeutischer Behandlung. Ist dies abgeschlossen, beginnt die eigentliche Therapie. (Die klassischen Psychoanalysen Freuds erstreckten sich oftmals über sehr lange Zeiträume, d.h. über mehrere Jahre mit fünf bis sechs Sitzungen pro Woche!)

Die psychotherapeutische Behandlung möchte den Menschen wieder zurückführen auf seine idealistische Laufbahn, von der er ja abgekommen ist. Gearbeitet wird lediglich "horizontal", da aufgrund des atheistischen Grundverständnisses keine andere Möglichkeit besteht. Es geht ja nur um irdisches Wohl und nicht um ewiges Heil.

In der Methodik unterscheiden sich die etwa 500 (!) Therapiesysteme stark voneinander. In unterschiedlicher Mischung gebrauchen sie Persuasion (gutes Zureden), Suggestion (Einwirkung der Psychotherapeuten), Hypnose (Ersatz des Willens durch den Willen des Hynotiseurs), Psychoanalyse (Zerlegung, Offenlegung der Seele) usw. Dies kann entweder in Einzelsitzungen oder Gruppen-behandlung geschehen. Die Bandbreite verwendeter Methoden umfaßt auch Gruppendynamik bis Yoga.

Nach diesen kurzen Überlegungen muß uns die Spannung zwischen biblischer Seelsorge und Psychotherapie deutlich geworden sein.

Seelsorge

Psychotherapie

  • der Mensch ist von Natur aus gefallen, durch und durch sündig.
  • der Mensch ist im Grunde genommen gut und kann entwickelt werden.
  • die Not des Menschen resultiert aus seiner falschen Stellung zu Gott.
  • die Not des Menschen ist verursacht durch seine falsche Stellung zur Gesellschaft oder der Gesellschaft zu ihm.
  • der Mensch muß sich zu Gott bekehren und als Lebensziel Jesus Christus wählen.
  • der Mensch muß sich neu orientieren, um dann auf der idealistischen Lebensbahn weiterzulaufen.

 

ANREGUNG:

Eine ungeheure Herausforderung liegt vor unserer Haustür: