IV. Kapitel: Der Fall des Menschen

 

Das Thema dieses Kapitels beeinhaltet die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Wir wollen auf das Wort Gottes hören, wie es zum "Sündenfall" kommen konnte.

 

1. Die Möglichkeit des Falles

Adam und Eva hatten die Möglichkeit, gegen Gott zu sündigen. Aber worin bestand diese?

 

a) der geschlossene Bund

Gott hatte mit Seinem Geschöpf, dem Menschen, einen Bund geschlossen. Dieser regelte das (Gemeinschafts-)Verhältnis zwischen Gott auf der einen und Adam und Eva auf der anderen Seite.

1.Mose 2,17 "aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm issest, mußt du des Todes sterben."
1.Mose 2,16-17 "Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm issest, mußt du des Todes sterben."
1.Mose 2,17b "denn an dem Tage, da du von ihm issest, mußt du des Todes sterben."
Röm 4,15b "...; wo aber das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung."

 

ANREGUNG:

 

b) Hilfen, nicht zu fallen

Gottes Liebe zu Seinem Geschöpf trieb Ihn dazu, Adam zu ermutigen, Gottes Gebot nicht zu übertreten:

 

2. Die Versuchbarkeit des Menschen

Die Fragen drängen sich auf:

Diese Fragen finden letztendlich ihre Antwort in dem von Gott geschaffenen Wesen des Menschen, in der ihm verliehenen Aufgabe und seiner Bestimmung.

 

a) Wesen des Menschen

Gott hat den Menschen nach Seinem Ebenbild geschaffen. Deshalb besitzt der Mensch die Freiheit zur Selbstbestimmung (er ist ein sittliches Wesen). Nur wenn der freie Wille des Menschen einer beständigen Prüfung unterliegt, sich also immer wieder bewähren muß, kann aus der heiligen Veranlagung des Menschen ein heiliger Charakter werden. Ein moralisch bewährter Charakter wird gebildet, indem der Mensch fortgesetzt das Gute statt des Bösen wählt. Das Böse muß aber eine echte Wahlmöglichkeit sein, d.h. es muß auch tatsächlich gewählt werden können.

 

b) Aufgabe des Menschen

Der Mensch erhielt von seinem Schöpfer den Auftrag, sich die Erde untertan zu machen. Er soll über die gesamte Schöpfung herrschen. Die moralische Vorbedingung des Herrschens ist aber Gehorsam. Autorität existiert nur unter Autorität.

 

c) Bestimmung des Menschen

Die vornehmste Bestimmung des Menschen liegt in der Gemeinschaft mit Gott. Doch Gott wollte sich diese Gemeinschaft nicht "erzwingen". Er wollte eine Gemeinschaft der Liebe. Liebe ist jedoch nur auf freiwilliger Basis echt. Deshalb mußte der Mensch die Möglichkeit haben, sich der Gemeinschaft mit Gott zu entziehen.

 

3. Der Versucher

In der Geschichte von der Versuchung der ersten Menschen lesen wir zum ersten Mal in der Bibel von Satan. Als Erklärung dazu:

Offb 12,9 "Und es wurde hinausgeworfen der große Drachen, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen."

In Satan - damals Luzifer (Lichtträger) - dem Fürsten der Finsternis, ist die Sünde entstanden (vgl. Hes 28 und Jes 14). Seine Sünde war, ist und bleibt das "Ich will!". Die Loslösung, Auflehnung und Selbstherrschaft (kurz: die Emanzipation) ist das tiefste Wesen der Sünde. Nach Jes 14 kam Luzifer aber nicht zur Ausführung seines Wunsches, zu sein wie Gott. So trägt er ihn in den Menschen (1.Mose 3,5) hinein.

So war und bleibt es in der ganzen Geschichte der Menschheit. Am Ende der Zeit wird diese Sünde im "Menschen der Bosheit" (2.Thess 2,3), in der Person des Antichristen offenbar:.

2.Thess 2,4 "Er ist der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott."

Jede vollbrachte Sünde hat ihren Ursprung in der Versuchung. Der Versucher macht sich möglichst unkenntlich. In der Gestalt der Schlange - vielleicht das schönste und klügste Tier, an dem der Mensch am meisten Gefallen hatte - tritt er an Eva heran. Bis heute wendet er die gleiche Taktik an. Er kommt in einer Gestalt, in der wir ihn am wenigsten vermuten.

2.Kor 11,14 "Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts."
Mt 16,23 "Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist."

Und Satan kennt genau die verwundbaren Stellen. Bei Adam und Eva war es das Gebot Gottes an Sein Geschöpf.

 

4. Die Versuchung

In schlichten Worten beschreibt die Bibel in 1.Mose 3 das geschichtliche Ereignis. Wir betonen die Historizität dieser Verse, die nicht symbolhaft ausgelegt werden dürfen. Der Heilige Geist bestätigt den AT-Bericht vom Sündenfall auch im NT:

2.Kor 11,3 "Ich fürchte aber, daß, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus."
1.Tim 2,14 "Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen."

 

 

ANREGUNG:

In 1.Mose 3 finden wir den Anfang... Vers

aber auch den Anfang...

Satan kennt nur eine Taktik. Sie wiederholt sich bei jeder Versuchung. Immer ist der ganze Mensch dem Angriff der Finsternis ausgesetzt - nach Geist, Seele und Leib!

Satan macht den Menschen verlangend

 

a) Zweifel am Wort Gottes

1.Mose 3,1 "Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?"

Solange der Mensch in Gemeinschaft mit Gott lebt, kann er nicht fallen.

Ps 125,1 "Die auf den Herrn hoffen, werden nicht fallen, sondern ewig bleiben wie der Berg Zion."

Wie anders der Zweifler! Über ihn sagt der Heilige Geist:

Jak 1,6b+8 "denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird. [...] Ein Zweifler ist unbeständig auf allen seinen Wegen."

Der erste Schritt Satans in einer Versuchung ist daher die Trübung des Verhältnisses Gott - Mensch. Nun kann er das Mißtrauen gegen Gott in das Herz des Menschen hineinsäen. Satan hinterfragt das Wort Gottes. Statt die Versuchung zurückzuweisen oder ihr zu entfliehen, läßt Eva sich auf sie ein.

 

ANREGUNGEN:

 

b) "Nein" zum Wort Gottes

1.Mose 3,4 "Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben."

Hat der Versucher es geschafft, Gottes Wort in Frage zu stellen, so sät er die Lüge in das Herz des Menschen. Ist das Bollwerk des Wortes Gottes eingerissen, kann die Lüge Satans die Wahrheit Gottes ersetzen.

Joh 8,44-45 "Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüsten wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater der Lüge. Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht."

 

ANREGUNGEN:

 

c) ein Wort Satans

1.Mose 3,5 "sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist."

Im Verlauf der Versuchung ist es jetzt soweit, daß Satan nicht nur das Wort Gottes anzweifelt und es verneint, sondern es ersetzt durch ein eigenes. Der Mensch ist zur Abhängigkeit - zur Hörigkeit - geschaffen. Entweder gehorcht er Gott oder dem Satan. Gehorcht der Mensch nun den Worten Satans, ist er von Gott gelöst und ein Sklave Satans geworden. Er ist gefallen.

Es ist auch heute dem Menschen nicht möglich, neutral zu sein. Entweder er gehorcht Gott - oder (vielleicht unwissend) dem Teufel!

 

ANREGUNGEN:

 

ZUSAMMENFASSUNG:

Auch heute versucht der Teufel, den Halt des Menschen, Gottes Wort,

Wir müssen dieser Versuchung nicht erliegen. Unser Herr Jesus Christus wurde in der Zeit Seines Erdenlebens auch vom Satan versucht (Mt 4,1-11), und Er hat gesiegt!

Hebr 4,15 "Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde."

Er ließ sich auf keine Diskussion (Gedankenspiele) ein, kannte das Wort Gottes und gebrauchte es! Darum lehnen wir ein Eingehen auf die Versuchung ab, lernen das Wort Gottes auswendig und wollen es gebrauchen!

 

5. Der Fall

1.Mose 3,6 "Und das Weib sah, daß von dem Baum gut zu essen wäre und daß er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß."

In dem wohl dramatischsten Vers der Heiligen Schrift lesen wir von der Loslösung des Menschen von Gott und der damit verbundenen Versklavung des Menschen an Satan.

 

a) Zeitpunkt des Falles

Die Frage ist: Wann ist der eigentliche Anfang bewußter Sünde? Für Eva: Wann ist Eva gefallen? War es der Augenblick, als sie die Frucht aß, oder fand der eigentliche Fall früher statt?

Im Brief des Jakobus wird uns der Werdegang des Sündigens beschrieben.

Jak 1,14-15 "Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod."

Zuerst besteht die Lust (Begierde), die uns reizt. Wenn diese Lust empfangen, d.h. unsere Zustimmung, unser "Ja" erhalten hat, kommt es zwangsläufig zur Geburt der Sünde. Die Sünde führt zum Tod. Dies bedeutet, daß der Mensch schon vor dem Verzehr der verbotenen Frucht gefallen war.

 

b) Wesen des Falles

Die Emanzipation (=Loslösung) von Gott war der eigentliche Fall! Die Selbstbefreiung von der Autorität Gottes führte den Menschen in neue Abhängigkeiten.

Das Sich-zum-Gott-Erheben des Menschen war sein Fall. (Das Sich-zum-Menschen-Erniedrigen Gottes führte zu des Menschen Erhöhung!). Schon vor dem Verzehr der verbotenen Frucht hatten sich Adam und Eva von Gott gelöst - sie stimmten der Lust zu. Zwangsläufig kam es dann zur Vollendung der Sünde.

Die Tat (das Essen der verbotenen Frucht) war die offenbare Loslösung von Gott und der praktische Versuch des Menschen, eigene Wege zu gehen. Der Mensch wollte die Unabhängigkeit seines ICHs behaupten. In dem Bestreben, sein eigener Herr zu sein, wird er wider Willen zu einem Sklaven der Sünde und des Todes.

Luther sagte zum Thema der Versuchung: "Wir können nicht verhindern, daß die Dohlen über unserem Kopf hinwegfliegen, aber wir können es wohl verhindern, daß sie auf unserem Kopf Nester bauen".

Mit dem Fall ist der Mensch:

 

ANREGUNGEN: