V. Kapitel: Die Folgen des Falles

 

Seit dem Fall Satans stand der Mensch zwischen zwei geistlichen Mächten: Gott und Satan. Der Mensch lebte als Herrscher unter einem Herrscher, frei innerhalb des Willens Gottes. Mit Gott verband ihn die Gemeinschaft der Liebe und des Vertrauens zwischen Schöpfer und Geschöpf. Aus diesem Verhältnis sollte auch der Gehorsam seinem Schöpfer gegenüber hervorgehen.

In seinem von der Sünde unberührten Zustand war der Mensch "sehr gut" (1.Mose 1,31). Er mußte sich nicht für das Gute entscheiden, solange er sich nicht für das Böse entschieden hatte.

Doch Satan überlistete Eva (2.Kor 11,3) - Adam sündigte.

Die menschliche Vernunft ist versucht zu fragen, weshalb eine so "leichte Sünde" eine so "schwere" Strafe nach sich zog. Doch an diesem "kleinen Ungehorsam" wurde die Herzenseinstellung des Menschen offenbar. Adam sagte ein Nein zum Willen Gottes, und dieser Ungehorsam mußte bestraft werden. Schließlich hatte Gott gesagt:

1.Mose 2,17b "...; denn an dem Tage, da du von ihm issest, mußt du des Todes sterben!"

Der Mensch wußte um die Folge dieser "kleinen Sünde". Gott hatte ihn gewarnt.

 

1. Die Folgen für Adam

Adam ist ein Sünder geworden. Er erleidet nun eine dreifache Folge des Falles:

 

a) Trennung von Gott

1.Mose 3,8 "Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten."
1.Mose 3,24 "Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens."

Durch die Emanzipation hat sich der Mensch von Gott getrennt. Diese Trennung erfolgte sofort, denn der heilige Gott kann keine Gemeinschaft mit der Sünde haben. Die Trennung von Gott bedeutet Trennung vom Leben. Wo vorher Gemeinschaft in Liebe war, ist jetzt Furcht.

1.Joh 4,18 "sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe."

 

b) Bindung an Satan

Der Mensch kann nicht ohne Beziehung existieren. Trennt er sich von Gott, so bindet er sich an Satan. Freiwillig hat er sich unter die Kontrolle Satans begeben, nun wird er rechtmäßig von ihm gehalten und beherrscht.

Joh 8,34 "Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht."
Röm 6,16 "Wißt ihr nicht: wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und müßt ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?"
2.Petr 2,19 "und versprechen ihnen Freiheit, obwohl sie selbst Knechte des Verderbens sind. Denn von wem jemand überwunden ist, dessen Knecht ist er geworden."
Joh 8,44 "Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüsten wollt ihr tun."

 

c) Tod

Tod ist nicht ein Ereignis, sondern ein Zustand des "Getrenntseins" (das Ereignis "Sterben" führt zur Trennung der materiellen und immateriellen Natur des Menschen: er ist "tot"). Indem Tod ein Zustand ist, ist er das Gegenteil von Leben. Durch die Sünde wurde der Mensch in seinem innersten Wesen verändert.

Sünde führt zwangsläufig zum Tod:

Röm 6,23a "Denn der Sünde Sold ist der Tod; ..."
Jak 1,15 "Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod."

Der Zustand des gefallenen Menschen ist ein dreifacher Tod:

 

(1) der geistliche Tod

Der geistliche (oder auch "innere") Tod bezeichnet die Trennung des Menschen von Gott, der allein das Leben ist (Joh 11,25). Dieser geistliche Tod trat bei Adam sofort ein.

Eph 2,1 "Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden,"
1.Kor 2,14 "Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden."

 

(2) der leibliche Tod

Von Adam heißt es,

1.Mose 5,5 "daß sein ganzes Alter ward 930 Jahre, und starb."

Mit dem Fall wurde das Leben zu einem allmählichen Sterben, an dessen Ende der leibliche (oder auch "äußere") Tod steht. Geburt bedeutet nichts anderes als der Beginn des Sterbens. Krankheit, Schmerzen und Schwäche sind als Vorstufe des Todes eine direkte Folge des Falles (vgl. Jes 53,4-5).

Hebr. 9,27 "Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht"
1.Kor 15,22 "Denn wie sie in Adam alle sterben, ..."
Röm 8,10-11 "Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt."

 

(3) der andere Tod

Der andere Tod wird nach dem großen weißen Thron einsetzen.

Offb 20,14 "Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl."

Auch hier ist der Tod ein Zustand - ein Zustand ewiger Trennung von Gott!

2.Thess 1,9 "Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht,"

 

2. Die Folgen für die Menschheit

In diesem Abschnitt wollen wir die Folgen des Sündenfalles für die ganze Menschheit, d.h. auch für jeden einzelnen Menschen heute, betrachten.

Röm 5,12 "Deshalb wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist, und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben."

Der letzte Teil des Verses "weil sie alle gesündigt haben" bezieht sich auf die Sünde Adams. Folgende Argumente machen diese Auslegung deutlich:

Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der Lehre der Zurechnung. "Zurechnen" bedeutet "etwas einer Person zuzuschreiben oder anzurechnen, das ihr ursprünglich nicht eigen war". (Beispiele hierfür sehen wir in 3.Mose 7,18; 17,4; 1.Sam 22,15; 2.Sam 19,20; Ps 32,2; Phlm 17-18!). Wir meinen die Zurechnung der Sünde Adams jedem Glied der menschlichen Rasse gegenüber. Adams Sünde ist jedes Menschen eigene Sünde. Die göttliche Strafe, der Tod, liegt also über der gesamten menschlichen Rasse, weil sie mitexistierend in Adam sündigte. Wir sind für unseren sündigen Zustand voll verantwortlich.

 

ANREGUNG:

Wir kennen drei grundlegende "Zurechnungen":

 

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß wir die Folgen des Falles für Adam zwangsläufig mitzutragen haben. Jeder Mensch ist von Natur aus in einem Zustand

Eph 2,1-3 "Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern."

Die Folgen dieses Zustandes sind deutlich zu bemerken:

 

a) für den Geist

Der Geist des Menschen ist getrennt von Gott (tot). Er kann Ihn weder sehen noch hören. Daher reagiert er nicht mehr auf die Herrschaft und Führung Gottes. So wurde der Geist im Menschen vom Herrscher zum Sklaven erniedrigt.

1.Kor 2,14 "Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden."
Eph 4,18 "Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens."

In Röm 1,21ff wird uns die Tätigkeit dieses toten Geistes beschrieben, der sich an die Stelle Gottes eigene Götzen setzt!

 

b) für die Seele

Da der tote Geist die Herrschaft unter Gott nicht mehr ausüben kann, ist die Seele des Menschen dem "Fleisch" überlassen.

 

(1) Verstand

2.Kor 4,3-4 "Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, daß sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes."
Eph 4,18 "Ihr Verstand ist verfinstert,..."
1.Kor 1,20-21 "Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben."

Seit dem Fall ist der Verstand des Menschen verblendet. Sein Denken bewegt sich getrennt von Gott und ist gegen Ihn gerichtet.

Die religiösen Anstrengungen des Verstandes führen zur Philosophie.

Kol 2,8 "Seht zu, daß euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus."

 

ILLUSTRATION:

Wir können die Verbindung zwischen Gott und dem Menschen mit einem Gartenschlauch vergleichen. Durch die Sünde wurde diese Verbindung getrennt. Nun liegt der Schlauch wirr am Boden, und der Mensch ist von Gott abgeschnitten. Die Seele versucht nun, den Schlauch wieder aufzurichten, um ihn bei Gott anzuschließen. Wir wissen aber, daß sich jeder Schlauch früher oder später nach "unten" biegt, eine Verbindung mit Gott kann nicht zustande kommen. Jeder vermeindlich so erreichte Anschluß wird aus "unteren" Quellen gespeist. Jede Religion gleicht einem solchen Versuch.

 

(2) Gefühl

Auch das Gefühlsleben des Menschen hat sich völlig verirrt. Die Lust des "Fleisches" oder die "Selbst"liebe peitscht es auf. Es ist wie ein steuerloses Schiff diesen Wogen ausgeliefert.

Röm 1,26a "Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften..."

Die religiösen Anstrengungen des Gefühls führen in die falsche Mystik.

 

(3) Wille

Der Wille ist immer auf ein Ziel ausgerichtet. Seit dem Fall des Menschen ist Gott nicht mehr das Ziel des menschlichen Willens. Er wurde Knecht des "Fleisches", schlußendlich Knecht des Teufels!

2.Tim 2,26 "und wieder nüchtern zu werden aus der Verstrickung des Teufels, von dem sie gefangen sind, zu tun seinen Willen."
Eph 2,3 "Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern."

Die religiösen Anstrengungen des Willens führen zur leeren Moral.

Kol 2,22b-23 "Es sind Gebote und Lehren von Menschen, die zwar den Schein von Weisheit haben durch selbsterwählte Frömmigkeit und Demut und dadurch, daß sie den Leib nicht schonen; sie sind aber nichts wert und befriedigen nur das Fleisch."

 

c) für das Gewissen

Das Gewissen des gefallenen Menschen ist mit gottlosen Gesetzen programmiert.

Tit 1,15 "Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist beides, ihr Sinn und ihr Gewissen."

Durch diese falsche Programmierung reagiert es völlig falsch.

Jes 5,20 "Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!"

 

ANREGUNG:

2.Kor 5,17 "Darum: ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."

 

 

3. Die Folgen für die Natur

Die Natur wurde um der Sünde des Menschen willen verflucht.

1.Mose 3,14 "Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang."
1.Mose 3,17b-19 "verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden."

Die Auswirkungen, die Tragweite dieses Fluches können wir uns kaum richtig bewußt machen. Die gesamte Schöpfung wurde verändert. Nicht nur die Schlange wurde in ihrem Körperbau verändert; auch manch anderer Pflanzenfresser bekam Reißzähne und einen neuen Verdauungsapparat; Viren und Bakterien wurden bösartig; nie dagewesene Krankheiten entstanden. Die Erde ist nicht mehr gesegnet, die Fülle hervorzubringen, sondern unter viel Not und Arbeit muß der Mensch ihr das zum Überleben Notwendige abtrotzen. Kurz: der Tod hielt Einzug in Gottes vollkommene Schöpfung.

Kein Wunder also, daß auch die Natur unter ihrem Zustand leidet und sich nach Erlösung sehnt!

Röm 8,20-22 "Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet."

Im Tausendjährigen Reich wird auch die Erde "aufatmen" und wieder die Fülle des Segens hervorbringen.

Amos 9,13 "Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß man zugleich ackern und ernten, zugleich keltern und säen wird. Und die Berge werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein."
Jes 35,6-7 "Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnenquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen."
Jes 11,6-7 "Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, daß ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder."

 

4. Die Folgen für Gott

Der Mensch ist durch die Sünde ein anderer geworden, Gott aber blieb derselbe. Wohl mußte Gottes Zorn über die Sünde offenbar werden, aber er ist nicht etwa eine neue Eigenschaft in Ihm - sondern Äußerung Seiner ewigen, unveränderlichen Heiligkeit.

Hatte sich Gott bisher als Schöpfer und Erhalter geoffenbart, so offenbarte Er sich jetzt als Richter und aus Liebe zu Seinen Geschöpfen auch als Erlöser. Sofort nach dem Fall steht die Ankündigung von unserem Heiland Jesus Christus. Es handelt sich um die erste Evangeliumsverkündigung in der Heiligen Schrift.

1.Mose 3,15 "Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen."

 

ANREGUNG:

Denken Sie über weitere Folgen des Sündenfalles nach: