VI. Kapitel: Die Sünde

 

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Offenbarung Gottes über die "Sünde" befassen, der sogenannten Hamartiologie (das griechische Wort "hamartia" ist der meistgebrauchte biblische Begriff für Sünde).

Wenn wir uns mit diesem Thema beschäftigen, muß uns bewußt bleiben, daß der heilige Gott Sünde haßt - aber Sünder liebt. Gott nimmt Sünde ernst. Sein Sohn kam in diese Welt, lebte in sündiger Umgebung und starb schließlich für unsere Schuld am Kreuz. Kein anderes Opfer war groß genug, um unsere Schuld zu tilgen.

 

1. Die Tatsache der Sünde

Es geht in unserem Dienst nicht darum, Sünde im Leben anderer nachzuweisen. (Dies ist eine Aufgabe des Heiligen Geistes: Joh 16,8-9) Gerade in der persönlichen Evangelisation verrennen wir uns so in sinnlose Diskussionen. Die Sünde im Leben eines jeden Menschen ist eine Tatsache. Wenn wir das Wort Gottes, Seine Person und Seinen Maßstab verkündigen, wird eine Folge davon sein, daß die Menschen ihre Sünde und Sündhaftigkeit erkennen.

 

a) sie wird von Gott festgestellt

Gott sagt in Seinem Wort eindeutig, daß jeder Mensch ein Sünder ist.

Hiob 14,4 "Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!"
Ps 14,3 "Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer."
Röm 3,22b-23 "Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,"

Gott bedient sich vielfach einer Bildersprache, um dem Menschen seine Sünde und deren Auswirkung aufzuzeigen.

Jes 1,5b-6 "Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis zum Haupt ist nichts Gesundes an euch, sondern Beulen und Striemen und frische Wunden, die nicht gereinigt noch verbunden noch mit Öl gelindert sind."

Ein besonders deutliches Bild für die Sünde ist der Aussatz. Ansteckend und todbringend führte er den Befallenen in Absonderung und Trennung.

3.Mose 13,45f "Wer nun aussätzig ist, soll zerrissene Kleider tragen und das Haar lose und den Bart verhüllt und soll rufen: Unrein, unrein! Und solange die Stelle an ihm ist, soll er unrein sein, allein wohnen, und seine Wohnung soll außerhalb des Lagers sein."
Jes 59,2 "sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, daß ihr nicht gehört werdet."

Eine Rückkehr in die Gemeinschaft der Gesunden war nur nach einem Opfer und der Begutachtung durch einen Priester möglich! (Studieren Sie 3.Mose 13-14) Welch ein passendes Bild für den "Aussatz" in unserem Leben.

Doch noch mit anderen Bildern wird uns die Sünde klar vor Augen geführt. Z.B.:

Spr 5,22 "Den Gottlosen werden seine Missetaten fangen, und er wird mit den Stricken seiner Sünde gebunden."
Jer 5,25 "Aber eure Verschuldungen verhindern das, und eure Sünden halten das Gute von euch fern."
Jes 1,18 "So kommt denn und laßt uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden."

 

b) sie wird offenbar in Gottes Gegenwart

In der Gegenwart Gottes kann keine Sünde verborgen bleiben. Wann immer Er sich in Seiner Heiligkeit offenbart, tritt der unheilige Zustand des Menschen ins Licht. Wer Ihm begegnet, wird von seiner eigenen Sündhaftigkeit überführt. Wir führen nur einige Stellen an:

Jakob

Hiob

David

Jesaja

Petrus

Samariterin

Pharisäer

1.Mose 32,11

Hiob 40,4-5; 42, 4-5

Ps 32,5

Jes 6,5

Lk 5,8

Joh 4,16-18+29

Joh 8,7-9

 

ANREGUNG:

 

c) sie wird offenbar durch das Gesetz

Das Gesetz ist wie ein Spiegel, in dem der Mensch seine wahre Natur erkennen kann.

Röm 3,20 "Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde."
Röm 7,7-8 "Was sollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz. Denn ich wußte nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: 'Du sollst nicht begehren!' Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlaß und erregte in mir Begierden aller Art; denn ohne das Gesetz war die Sünde tot."

Gott gebrauchte das Gesetz, dem Menschen seinen verlorenen Zustand und seine Unfähigkeit, aus eigener Kraft recht zu leben, deutlich zu machen.

Röm 5,20 "Das Gesetz aber ist dazwischen hineingekommen, damit die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden,"
Röm 7,13 "Ist dann, was doch gut ist, mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde, damit sie als Sünde sichtbar werde, hat mir durch das Gute den Tod gebracht, damit die Sünde überaus sündig werde durchs Gebot."

Vgl. auch Gal 3,19.

Das Gesetz beweist dem Menschen seine völlige Verderbtheit.

Röm 7,13 "Ist dann, was doch gut ist, mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde, damit sie als Sünde sichtbar werde, hat mir durch das Gute den Tod gebracht, damit die Sünde überaus sündig werde durchs Gebot."

Außerdem fordert es seine Verurteilung, ja, es verurteilt ihn zum Tode.

Gal 3,10 "Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: 'Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er's tue!'"
Röm 7,10 "ich aber starb. Und so fand sich's, daß das Gebot mir den Tod brachte, das doch zum Leben gegeben war."

 

d) sie wird vom Gläubigen bekannt

Der Gläubige weiß um die Realität der Sünde in seinem Leben.

Röm 7,18-20 "Denn ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt."

Luther sagte: "Ich bin mehr über mein eigenes Herz erschrocken als über den Papst mit allen seinen Kardinälen"!

Wer viel von Gott weiß - weiß auch viel über sich selbst. Wahre Gotteserkenntnis führt immer zu wahrer Selbsterkenntnis.

Doch hat gerade der Gläubige ein großes Vorrecht. Jederzeit hat er die Gelegenheit, seine Schuld zu bekennen und das Geschenk der Vergebung zu erfahren.

1.Joh 1,9 "Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns alle Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit."

Merken wir uns: Ein Bekenntnis meiner Sünde macht mich nie schlechter als ich bin!

 

e) sie wird von der Natur bestätigt

Schon ein oberflächlicher Blick in die Natur belehrt uns, daß sie von Tod und Vergänglichkeit beherrscht wird. Die Sünde des Menschen ist die Ursache, daß die gesamte Schöpfung verflucht wurde.

1.Mose 3,17b "verflucht sei der Acker um deinetwillen!"
Röm 8,20 "Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung;"

 

ZUSAMMENFASSUNG:

Die Bibel ist voll von der Tatsache der Sünde. Wie eine schwarze Linie kann sie von 1.Mose bis Offenbarung gezogen werden. So finden wir in vielen Biographien der Heiligen Schrift das Bekenntnis: "Ich habe gesündigt!".

der verstockte Pharao

der ungehorsame Achan

der verworfene Saul

der bußfertige David

der geprüfte Hiob

der Verräter Judas

der verlorene Sohn

der Apostel Paulus

2.Mose 9,27

Jos 7,20

1.Sam 15,30

2.Sam 12,13

Hiob 42,6

Mt 27,4

Lk 15,21

1.Tim 1,15

Nur einer konnte sagen:

Joh 8,46a "Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen?"
Hebr 4,15 "Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde."

So konnte Jesus Christus zu unserem Stellvertreter werden.

 

2. Die Sünde ("Erbsünde")

Wir müssen zwischen Sünde und Sünden unterscheiden!

Sünde ist Charakter

Sünde ist Mittelpunkt

Sünde ist Wurzel

Sünde ist Quelle

Sünde ist Ursache

Sünde ist, was wir sind

Sünden sind Betragen

Sünden sind Umkreis

Sünden sind Früchte

Sünden sind Ausfluß

Sünden sind Wirkung

Sünden sind, was wir tun

(aus Ruth Paxson: Leben im Geist, S. 71)

 

a) Definition

Unter der Sünde ("Erbsünde" oder auch "sündige Natur" genannt) verstehen wir unseren Zustand, nicht unser sündiges Tun. Es handelt sich um die sündige Natur, die wir von unseren Eltern geerbt haben, darum auch der Begriff "Erbsünde".

Eph 2,3 "Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern."

Durch Adam kam die Sünde in die Welt (Röm 5,12). Seinen Sohn zeugte er "nach seinem Bilde" (1.Mose 5,3; 1.Kor 15,49). Da Adam der Stammvater aller Menschen ist (Apg 17,26; Röm 5,12), bin auch ich "als Sünder geboren" (Ps 51,7).

Die Folge (Strafe) unseres sündigen Zustands ist die Trennung von Gott (der "geistliche" Tod) schon zu unseren Lebzeiten (Eph 2,1-3). Hält dieser Zustand unser ganzes Leben an, so folgt der "zweite" Tod (Offb 20,11-15).

 

b) Wesen

Was ist "Sünde"? Wir wollen anhand dreier Schriftaussagen, die alle einen wichtigen Aspekt enthüllen, das Wesen der Sünde definieren.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Begriffe: "Los", "Gegen" und "Ich"! Wir sprechen über die Gesetzlosigkeit, die Auflehnung gegen Gott und die Ichhaftigkeit.

 

(1) Gesetz"los"igkeit

1.Joh 3,4 "Jeder, der Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit." (EÜ)

Sünde ist "Gesetzlosigkeit". Das Gesetz ist Ausdruck des Willens Gottes - Sünde ist demnach ein Mangel an Übereinstimmung mit dem Willen Gottes (=Gesetz Gottes).

2.Thess 2,8 "dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft;" (EÜ)
Tit 2,14 "Der hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosgkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken."(EÜ)

Der Herr Jesus, der ohne Sünde war, sagte:

Ps 40,9 "Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen."

Wie anders jedoch der sündige Mensch! Bei ihm sehen wir, wie das "Ich", losgelöst (=emanzipiert) von Gott (=Gesetzlosigkeit), seinen eigenen Weg geht.

Jes 53,6a "Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg."

 

ANREGUNG:

Wie populär ist die Sünde gemacht worden. Bedenken wir moderne Schlagwörter und deren Konzepte wie z.B.:

 

(2) Auflehnung "gegen" Gott

Sünde ist nicht nur fehlende Übereinstimmung mit dem heiligen Wesen Gottes, sondern Auflehnung gegen Gott.

Schon bei der Entstehung der Sünde in Satan haben wir die Rebellion gegen Gott gesehen (Jes 14, 13-14). Sie entsteht, wenn Autorität verachtet wird. Vom "Antichristen" heißt es:

2.Thess 2,4 "Er ist der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott!"

Diese Sünde hat Satan in den Menschen hineingetragen (vgl. 1.Mose 3). Darum heißt es jetzt auch vom Menschen:

Röm 5,10 "Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wieviel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind."
Röm 8,7 "Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht."

Sünde ist also eine bewußte oder auch unbewußte Haltung des Menschen gegen Gott. Hören wir wieder den sündlosen Sohn Gottes:

Joh 5,30 "Ich kann nichts von mir aus tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat."
Mt 26,39 "Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!"

 

ANREGUNG:

 

(3) "Ich"haftigkeit

Sünde ist "Ichhaftigkeit", d.h. die Wahl meines "Ichs" an die Stelle Gottes. Statt Gott im Zentrum seines Lebens zu haben, hat der sündige Mensch sich selbst zum Zentrum. Anstatt sich um Gott zu drehen - dreht er sich um sich selbst.

Alle Aspekte des Wesens der Sünde (Gesetzlosigkeit, Auflehnung gegen Gott und Ichhaftigkeit) sind einzelne Facetten; sie gehören alle zwangsläufig zusammen. Nach der Loslösung von Gott, der Feindschaft gegen Gott sehen wir nun den innersten Kern der Sünde. Das Ziel: das "Ich" des Menschen wird zu seinem neuen "Gott". Nicht das "Ich" ist die Sünde - sondern dessen Loslösung von Gott. Dieses "Ich" zum "Gott" (besser "Götzen"!) setzen, ist die Sünde Satans und des Menschen. Sie hat sich bis heute nicht verändert.

Jes 14,13-14 "Du aber gedachtest in deinem Herzen: 'Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen, ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten Norden. Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten."
1.Mose 3,5 "sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist."
2.Tim 3,2 "Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos,"

Wörtlich übersetzen wir den ersten Teil von 2.Tim 3,2 mit: "sich selbst Liebende"!

Für den Gläubigen gilt ein anderer Maßstab. Er lebt nicht mehr für sich, sondern für seinen Herrn. Das ist wahre Heiligung.

1.Kor 6,19-20 "Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört? Ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe."
2.Kor 5,15 "Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist."
Röm 14.7 "Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber."

Ziel unseres Heiligungsleben ist, Ihm ähnlich zu werden:

1.Joh 2,6 "Wer sagt, daß er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat."

Von Ihm, dem sündlosen Sohn Gottes heißt es:

Joh 7,18 "Wer von sich selbst aus redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm."
Röm 15,3 "Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht: 'Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.'"

So kennt der Gläubige nur ein Ziel:

Joh 3,30 "Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen."

 

ANREGUNGEN:

- zu Autorität (Hinterfragen, eigener Maßstab/Urteil)
- zum Anspruchsdenken (Erwartungen an die Gemeinschaft, Verantwortungs-losigkeit)
- zum Dienst (Profilierungschance, gegen lebenslangen Verzicht)
- zur Selbstverwirklichung (Selbstbeobachtung, sich selbst für wichtig nehmen [Kult der Betroffenheit])
- zu Reizbegriffen wie z.B.: Qualifikation und Leistung, Unterordnung und Gehorsam

 

c) Sitz

Röm 7,18 "Ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt."
Mt 15,18-19 "Was aber aus dem Munde herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung."

Die Sünde wohnt in meinem "Fleisch" (= meine gesamte gefallene Natur). Auch der wiedergeborene Mensch hat sein "Fleisch" noch in sich, daher hat auch er die Sünde noch in sich.

1.Joh 1,8 "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns."

Im Gegensatz zu dem Ungläubigen muß der wiedergeborene Mensch kein Sklave der Sünde mehr sein. Durch den Geist Gottes, den wir bei der Wiedergeburt empfangen haben, können wir ein neues Leben leben. Wenn der Gläubige sündigt, sündigt er freiwillig!

Röm 8,13 "Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben."

 

d) Auswirkung

Die Auswirkung der Sünde ist die totale Verderbtheit der menschlichen Natur. Geist, Seele und Leib sind von der Sünde und ihrer Folge, dem Tod, ergriffen. Es ist kein "guter Kern", kein "göttlicher Funke" im Menschen vorhanden. Das Zeugnis des Wortes Gottes über die totale Verderbtheit des Menschen lautet:

1.Mose 8,21 "Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe."
Jes 1,5b-6 "Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis zum Haupt ist nichts Gesundes an euch, sondern Beulen und Striemen und frische Wunden, die nicht gereinigt noch verbunden noch mit Öl gelindert sind."
Röm 7,18 "Ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt."

Jedes Pädagogikkonzept, jede Ideologie oder Religion der Menschen - wenn von einem guten Kern im Menschen ausgegangen wird - irrt sich! Sie sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Wegen dieser völligen sündigen Verderbtheit sind wir "Kinder des Zorns" (Eph 2,3), d.h. Objekte des Zornes Gottes.

 

Die innewohnende Sünde:

- macht den Menschen nicht nur unfähig, das Gute zu tun,

Mt 7,18 "Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen."
Röm 8,7-8 "Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen."

Vgl. auch Röm 7,17-20.

- sondern beherrscht den Menschen und treibt ihn dazu, das Böse zu tun!

Röm 5,21 "damit, wie die Sünde geherrscht hat zum Tode, so auch die Gnade herrsche durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unserm Herrn."
Röm 6,12 "So laßt nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam."
Röm 7,20 "Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt."

Nun werden wir immer wieder mit ungläubigen Menschen konfrontiert, die doch offensichtlich "Gutes" vollbringen. "Gutes tun" muß aber immer am Maßstab der Heiligkeit Gottes gemessen werden. "Relativ gut", d.h. im Vergleich zu anderen Menschen, ist zu wenig. Niemand kann sich durch relativ gute Taten das Heil verdienen!

 

ILLUSTRATION

Folgende Illustration stammt aus Charles C. Ryrie: Basic Theology, Victor Books, S. 219

"Schnittblumen illustrieren gut Menschen, die zwar Gutes tun, aber nichtsdestoweniger geistlich tot sind. Ist die Blüte, wenn sie von der Pflanze abgeschnitten wurde, lebendig oder tot? Zunächst ist sie hübsch und duftet gut und in Verbindung mit anderen Schnittblumen kann sie das schönste Haus, eine Kirche oder einen gesellschaftlichen Anlaß schmücken. Sie scheint lebendig zu sein, sie ist nützlich - aber sie ist in Wirklichkeit tot, da sie vom Leben der Pflanze, die sie hervorbrachte, getrennt wurde."

 

e) Erkenntnis

 

(1) bewirkt durch den Heiligen Geist

Wie schon früher bemerkt, wollen wir nicht Sünde im Leben anderer nachweisen. Wir verkündigen das Wort Gottes und damit den unfehlbaren, heiligen Maßstab, mit dem Gott uns Menschen mißt. Sünde(n)erkenntnis wird vom Heiligen Geist bewirkt:

Joh 16,8 "Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;"

 

(2) verdeutlicht durch das Gesetz

Da die Sünde in mir ein Zustand ist, muß es etwas geben, was sie sichtbar macht. Diese Rolle fällt dem Gesetz zu.

Röm 7,7 "Was sollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz."

Vgl. Röm 3,20.

Das Gesetz bringt die Sünde nicht hervor, sondern deckt sie nur als schon vorhanden auf.

 

f) Aktivierung

Durch was oder wann wird die Sünde, die in meinem Fleisch wohnt, aktiv?

 

(1) durch das Gesetz

Röm 7,7-9 "Was sollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz. Denn ich wußte nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: 'Du sollst nicht begehren!' Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlaß und erregte in mir Begierden aller Art; denn ohne das Gesetz war die Sünde tot. Ich lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde lebendig,"

 

ILLUSTRATION:

Ein Lichtstrahl, der in die dunkle Höhle eines Raubtieres fällt, schafft nicht das Raubtier. Das war schon vorher da. Der Lichtstrahl macht es lediglich sichtbar! Jedoch dient dieser Lichtstrahl auch dazu, das Raubtier aufzuwecken... Je mehr göttliches Licht (Gottes Wort = Sein Maßstab) in mein Leben hineinleuchtet, desto mehr erkenne ich die Sünde.

 

(2) in der Versuchung

In der Versuchung wird unser sündiger Zustand deutlich. Wir werden nie versucht, "sündig" zu werden, denn wir sind Sünder. Aber wir werden versucht zu "sündigen". Nicht der ursprüngliche, sündige Zustand soll in der Versuchung herbeigeführt werden, sondern eine sündige Handlung.

 

3. Die Sünden

Die Sünden werden von der Sünde begangen.

Röm 7,17 "So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt."

Das, was die Sünde in mir tut, wird in der Schrift unter verschiedenen Bildern verdeutlicht. Die hebräische und griechische Sprache verwendet verschiedene Wörter, um die Mannigfaltigkeit der Sünden zu zeigen.

 

a) Begriffe

 

(1) Zielverfehlung

Zielverfehlung ist der zuerst vorkommende Begriff für "Sünde" in der Bibel (hebr. Formen der Wurzel "chata"). 522x begegnen wir diesem Begriff im AT. Die griechische Entsprechung im NT ist "hamartia", welche 227x Erwähnung findet. Die LXX übersetzt chata mit hamartia.

Dies sind die häufigsten Begriffe für Sünde in der Bibel. Die Bedeutung erstreckt sich nicht nur in dem Gedanken, daß ein von Gott gestecktes Ziel verfehlt wurde, sondern auch, daß ein falsches Ziel getroffen wurde!

1.Mose 4,7 "Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie."
Mt 1,21 "Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden."

 

(2) Bosheit, Schlechtigkeit

Der hebräische Begriff "raa" und die griechischen Entsprechungen "poneros" und "kakos" bezeichnen vor allem die moralischen Verfehlungen der Menschen.

1.Mose 6,5 "Als aber der Herr sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar,"
Tit 3,3 "Denn auch wir waren früher unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verhaßt und haßten uns untereinander."

 

(3) Übertretung

Eph 2,1 "Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden,"

Paulus gebraucht das Wort "paraptoma" 6x in Röm 5,15-20. Gottes Wille kann mit einer Grenze verglichen werden. Sünde ist, diese Grenze zu überschreiten, sie zu übertreten.

Röm 4,15b "wo aber das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung."

 

(4) Unglaube

Joh 16,9 "über die Sünde: daß sie nicht an mich glauben;"

Unglaube ist die Sünde, um derentwillen ein Mensch verlorengeht. Unglaube hängt eng zusammen mit dem Ungehorsam. Unglaube ist eine Beleidigung Gottes.

1.Joh 5,10 "Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott gegeben hat von seinem Sohn."

"Unglaube ist die Verweigerung des Angebotes himmlischen Reichtums durch einen Bettler!" (Quelle unbekannt)

 

(5) andere Begriffe

Zu diesen oben angeführten Begriffen kommt noch eine Vielzahl einzeln aufgezählter Sünden in allen Formen und Schattierungen (vgl. Mk 7,20-22; Gal 5,19-20). Wohl die am meisten genannte Sünde in der Bibel ist der Ehebruch und die Hurerei - sowohl in bezug auf das geistliche als auch auf das moralische Leben.

 

ANREGUNGEN:

Jak 4,17 "Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist's Sünde."
Mt 25,42 "Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben."
Lk 19,23 "warum hast du dann mein Geld nicht zur Bank gebracht? Und wenn ich zurückgekommen wäre, hätte ich's mit Zinsen eingefordert."
Joh 15,2a "Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen;"
Jak 1,22 "Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst."
Eph 2,1 "Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden,"

 

b) Unterschiede

Wir unterscheiden im Alltag häufig zwischen einzelnen Sünden. Gibt es diese Unterschiede? Was sagt Gottes Wort dazu?

 

(1) Sünden von verschiedenen Personen begangen

Da ist zunächst der Ungläubige. Er kann aufgrund seiner sündigen Natur nur sündigen. Er lebt getrennt von Gott und unter der Herrschaft Satans.

Der Gläubige, der sündigt, muß seine Sünde bekennen.

1.Joh 1,9 "Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit."

Die Bibel kennt auch "Kollektivsünden":

 

(2) Sünden an verschiedenen Personen begangen

Die Sünden werden verschiedenen Objekten gegenüber begangen. Eine unbiblische Auffassung ist, daß Sünde nur in bezug auf das Verhältnis der Menschen untereinander geschieht - also nur auf der horizontalen Ebene. Gott offenbart uns, daß alle Sünden, auch die zwischen Menschen begangenen, immer eine Beleidigung Gottes und damit Sünden Gott gegenüber sind.

4.Mose 5,6 "Sage den Israeliten: Wenn ein Mann oder eine Frau irgendeine Sünde gegen einen Menschen tut und sich damit an dem Herrn versündigt, so liegt eine Schuld auf ihnen."
3.Mose 5,21 "Wenn jemand sündigte und sich damit an dem Herrn vergriffe, daß er seinem Nächsten ableugnete, was ihm dieser anvertraut hat oder was ihm zu treuer Hand gegeben ist oder was er mit Gewalt genommen oder mit Unrecht an sich gebracht hat,"
1.Mose 39,9 "er ist in diesem Hause nicht größer als ich, und er hat mir nichts vorenthalten außer dir, weil du seine Frau bist. Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen?"

Natürlich sündigen wir auch an Menschen (s.o.: 4.Mose 5,6). Darum hat auch unsere Bitte um Vergebung immer zwei Adressaten: Gott im Himmel und der Mensch, an dem wir uns versündigten.

Schließlich ist da noch die Sünde an uns selbst.

1.Kor 6,18 "Flieht der Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe."

Auch hier gilt natürlich das oben Gesagte. Auch Hurerei ist Sünde gegen Gott.

 

(3) Sünden auf verschiedene Weisen begangen

Wir unterscheiden Sünden als

Diese Unterscheidung ist eher theoretischer Natur, erfahren wir doch in der Bergpredigt, daß in ihrem Wesen vor Gott kein Unterschied besteht (vgl Mt 5,22).

Mt 5,28 "Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen."
1.Joh 3,15a "Wer seinen Bruder haßt, der ist ein Totschläger"

Sünde ist und bleibt Sünde. Sie wird von Gott ernst genommen, ja, so ernst, daß Sein Sohn Sein Leben gab, um uns mit Gott zu versöhnen.

 

(4) Sünden, graduell unterschieden

Zwischen einzelnen Sünden gibt es zwar keine Wesensunterschiede, wohl aber Gradunterschiede. Diese finden sich je nach ihrem Anlaß oder Beweggrund. So unterscheidet die Heilige Schrift zwischen Versehens- und Absichtssünden.

4.Mose 15,22 "Und wenn ihr aus Versehen eines dieser Gebote nicht tut, die der Herr dem Mose gesagt hat,"
4.Mose 15,30 "Wenn aber ein Einzelner aus Vorsatz frevelt, es sei ein Einheimischer oder Fremdling, so hat der den Herrn geschmäht. Er soll ausgerottet werden aus seinem Volk;"

Gradunterschiede ergeben sich auch durch das Maß an Licht, das jemand über eine Wahrheit empfangen hat.

Lk 12,47-48 "Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt, hat aber nichts vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge erleiden müssen. Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient, wird wenig Schläge erleiden. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern."
1.Tim 1,13 "mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben."

vgl. auch Mt 11,21-24 und Mt 12,41-42!

 

ANREGUNG: